Hochschule Düsseldorf
University of Applied Sciences

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​Overheads

​​​​​Planer und Macher des Neuba​us der Fachhochschule Düsseldorf 
in Porträts und Interviews 
Von Viktoria Merkulova und Marcel Schindler 

 

Die Fachhochschule Düsseldorf wurde im Jahre 1971 gegründet. Nie befanden sich alle Fachbereiche auf einem Campus. Bald gibt es die FHD nicht mehr. Dann wird daraus d​ie HSD, die Hochschule Düsseldorf. Aber wir firmieren nicht nur um, wir ziehen auch um – und kommen alle zusammen. Zum ersten Mal in unserer Geschichte wird es eine wirkliche Gemeinschaft an Ort und Stelle geben: auf dem neuen Campus in Derendorf. 

In dem Projektseminar NEU BAU HAUS porträtierte Marcel Schindler eine Reihe von Persönlichkeiten, die eine wichtige Rolle dabei spielen. Und Viktoria Merkulova interviewte die „Overheads“: ob Ministerin oder Bibliothekar, Präsidentin oder Sanitäter. Ihre Stimmen geben einen Einblick zum Stand der Dinge in Deren- und Düsseldorf, und sie geben einen Ausblick auf die zukünftigen Veränderungen in der Landeshaupstadt und der Bildungslandschaft von Nordrhein-Westfalen.




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​Die​ Pressesprecherin

»Das Wichtigste ist, immer die Ruhe zu bewahren.« 

​Christa Bohl, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Bau und Liegenschaftsbetrieb NRW, Niederlassung Düsseldorf 


Christa Bo​​​​hl​

​Frau Bohl, Sie, als P​ressesprecherin, haben viel zu dem Projekt der neuen FHD in Derendorf beigetragen. Was ist für Sie persönlich das Spannende an diesem Projekt? 

»An diesem Projekt ist für mich besonders die Zusammenarbeit mit den Studierenden der Neubauhaus-Gruppe, die sich für das Projekt engagiert, spannend. So etwas habe ich bei einem Bauvorhaben noch nie erlebt. Das Tolle ist, dass Dinge umgesetzt werden können, die ich alleine gar nicht schaffen könnte. Vieles davon hätte ich gerne selber schon auf anderen Baustellen umgesetzt.«

Sie beschäftigen sich momentan nicht nur mit diesem Projekt, sondern haben unter anderem weitere Aufgaben, die Sie erledigen müssen. Wie schaffen Sie es bei allen diesen Veranstaltungen und Terminen den Gesamtüberblick zu behalten? 

»Ich habe den Überblick über die Dinge, um die ich mich aktuell kümmere. Das sind die großen Baustellen. Über die Baustellen, zu denen Presseanfragen reinkommen, muss ich mich informieren. Trotzdem: über alles informiert sein, wäre zu viel verlangt und das könnte ich auch gar nicht schaffen! Im Endeffekt ist für mich stets das am wichtigsten, womit ich mich aktuell beschäftige.«

​Was genau schreiben Sie als Pressesprecherin, wenn Sie Mitteilungen in Bezug auf den Bau der FH Düsseldorf schreiben? 

»Ich berichte über das, was im Moment auf der Baustelle passiert. Bereits mit Beginn der Abbrucharbeiten habe ich darüber berichtet. Hier kommt das Interesse der Presse von alleine. Sie fragen bei mir praktisch an, ob es etwas Neues auf der Baustelle gibt. Das bedeutet: hier ist die Pressearbeit recht einfach für so ein großes Projekt, welches mitten in der Stadt liegt und von vielen Leuten hautnah beobachtet wird. Die Pressearbeit funktioniert wirklich super.«

Sie wissen auch über Pressemitteilungen Bescheid, die aus verschiedenen Medien stammen. Wie geht man mit negativen oder falschen Mitteilungen um? 

»Ich bin der Ansicht, dass man immer die Redakteure, die Falschmeldungen verfasst haben, hinterher persönlich ansprechen und sie zu einem Gespräch einladen sollte. Man muss eine positive Darstellung der Situation machen, egal was geschrieben wurde. Irgendwann kommt auch etwas Positives raus, weil ihnen nichts Anderes übrig bleibt!«

​Der Spatenstich, der auf der Baustelle gewesen ist, wurde von Ihnen organisiert. Wie sind Sie da vorgegangen? Wie organisiert man solch ein Ereignis? 

»Man braucht einen genauen Plan. Im Vorfeld muss man sich überlegen, was man will und wie man alles unter einen Hut kriegt, was man möchte. Ganz wichtig ist der richtige Ort für die Veranstaltung. Außerdem macht man sich Gedanken darüber, was die Leute davon mitnehmen sollen. Ich denke, mit dem Spatenstich der FH Düsseldorf haben wir einen besonderen Spatenstich gehabt, den alle sehr gut in Erinnerung behalten werden. 

»Wie schaffen Sie es immer ruhig zu bleiben und immer diese Ruhe zu bewahren in Ihrem Beruf? Das gehört einfach dazu. Wenn ich nicht die Ruhe bewahre, wie sollen es denn die Anderen tun. Wenn man das Wichtigste gerade erledigt, dann bleibt man automatisch ruhig und wenn ich mit so einer Einstellung die Arbeit erledige, dann macht es auch Freude!«



​Der Bauherr 

»A​​m Ende des Tages bin ich zufrieden, wenn alle zufrieden sind!« 

​Gerd Böhme, Niederlassungsleiter, Bau und Liegenschaftsbetrieb NRW, Niederlassung Düsseldorf 


Hans-Gerd Böhme​​​

​Herr Böhme, was genau ist Ihre Aufgabe als Bauherr? 

»Die Aufgabe des Bauherre​n liegt darin, dass man darauf achtet, nach kaufmännischen Gesichtspunkten zu handeln. Aber dass man natürlich auch in Bezug auf den Kunden alle Belangen berücksichtigt – die Wirtschaftlichkeit muss einhergehen mit einer Nutzungsfähigkeit für den Kunden. Am Ende sollte für beide Seiten eine vernünftige Rendite ausfallen.« 

Besprechungen, die unter anderem auf der Baustelle stattfinden, sind unglaublich wichtig für die Entwicklung des Baus. Was gibt es für Besprechungen und was wird dort analysiert oder besprochen? 

»Ich selbst, als Niederlassungsleiter, habe nicht so viele Besprechungen auf der Baustelle. Das macht im Regelfall das Projektteam. Wir haben auf der operativen Arbeitsebene eine Gruppe, die sich auf der Planungsseite sehr stark mit den entsprechenden Auftragnehmern zusammensetzt. Planungsbesprechungen werden mit den Architekten geführt oder auch mit den Architekten und dem Kunden. Es kann im schlimmsten Falle auch zu Umplanungen kommen, wenn man feststellt, dass etwas umorganisiert werden muss. Sonst gibt es Besprechungen mit mir und dem BLB, bei denen wir lediglich mit dem Kunden sprechen. Außerdem gibt es sogenannte Lenkungsrunden, wenn es Konflikte gibt. Da spricht die Niederlassungsleitung mit dem Präsidium auf oberste Ebene, um Entscheidungen zu treffen.«

​Stichwort Konflikte – wie können Sie als Bauherr das Bauteam motivieren, wenn irgendetwas schiefläuft? 

»Grundsätzlich ist Bauen immer eine spannende Aufgabe, insofern brauche ich ein Bauteam nicht zu motivieren. Das Projekt der FH Düsseldorf ist für alle motivierend, weil es eins der herausragendsten Baumaßnahmen, die das Land NRW in den nächsten Jahren umsetzen wird, ist. Wahrscheinlich hat man nur ein Mal im Leben die Gelegenheit so einen großen Campus zu bauen. Wenn aber etwas mal beim Bau schiefläuft, ist es ja dann auch das Spannende am Bauen. Konflikte löst man, Konflikte können bereichern und machen auch Arbeit, aber sie beleben auch.« 

Die Arbeit auf Baustellen ist gefährlich, Schutzkleidung ist hier ein Muss. Inwiefern sorgen Sie als Niederlassungsleiter für Schutz? 

»Als Bauherr, müssen wir bei größeren Baumaßnahmen per Gesetz einen SiGeKo (Sicherheitskoordinator) einschalten, der für die Sicherheit auf der Baustelle Sorge trägt. Im Vorfeld beschreibt er aber erst ein Mal die Sicherheit – wo können Gefahren auftreten? Er gibt entsprechende Anweisungen und achtet vor Ort darauf, dass sie umgesetzt werden. Trotzdem muss man sagen, dass die Arbeit auf Baustellen nie ohne Unfälle verläuft. Aber die Aufgabe aller Beteiligten ist es, die Mängel auf Baustellen abzustellen. Das ist eine Verpflichtung jedes Ingenieurs.« 

​Können Sie denn ungefähr sagen, ob die Geschäftsziele des Projektes Campus Derendorf langsam, aber sicher erreicht werden? 

»Wir haben schon viele Ziele erreicht und haben noch viele vor uns. Das erste Ziel, was man hat, ist es auf eine Baustelle zu kommen – das Projekt muss in die Realisierungsphase gebracht werden. Dazu bedarf es einer Finanzierung. Das zweite Ziel ist es für alle Beteiligten, den Grundstein zu legen. Das Richtfest, die Einweihung und die Übergabe sind Meilensteine und Ziele. Wenn am Ende des Tages alle zufrieden sind, ist man als Bauherr auch zufrieden. Denn dann ist jeder am Ende des Tages glücklich.«

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​Der Projektsteuerer 

»Ich darf das Ziel nicht aus den Augen ​verlieren.«

​Christian Fürwentsches, Dipl. Ingineur, Projektmanager, Drees & Sommer Düsseldorf 


C​​hristian Fürwentsches​

​Herr Fürwentsches, viele​ Menschen wissen gar nicht, wie wichtig Ihr Job als Projektsteuerer ist. Können Sie die wichtigsten Aufgaben nennen, die Sie für den Neubau der FH Düsseldorf erbringen müssen? 

»Wir kümmern uns vor allem um die Organisation und Koordination des gesamten Projektes. Neben dieser großen Aufgabe müssen wir die Kosten, Termine und die Qualitäten überwachen. Neben der Überwachung müssen wir in der Vorbereitungsphase ermitteln, prüfen und vorbereiten. Im Großen und Ganzen heiß es: Überwachen und Steuern.« 

Die Fachhochschule wird mit moderner Technik, modernen Räumen etc. ausgestattet. Wie schafft man es das Budget, das für das Projekt zur Verfügung da ist, zu halten? 

»Wenn ich diese Frage final beantworten könnte, dann säße ich bestimmt in Berlin und nicht hier in Düsseldorf. Konkret zu unserer Fachhochschule kann man sagen, dass wir ein fixes Budget, das aus öffentlichen Mitteln bereitgestellt wird, haben. Das Geld ist einzuhalten. Wir ermitteln und überwachen diese Kosten von Tag zu Tag. Falls es zu Abweichungen zwischen „Soll und Ist - Kosten“ kommt, leiten wir Gegenmaßnahmen ein. Im Moment liegen wir gut im Budget, und wenn es im Bauverlauf noch zu größeren Abweichungen kommt, müssen wir die Qualitäten und Termine anpassen.«

​Ein weiterer wichtiger Aspekt Ihrer Organisation und Arbeit ist die Zeit. Im Jahr 2015 sollen alle Gebäude stehen. Werden sie 2015 wirklich stehen oder wird es zeitlich doch knapp? 

»2015 wird auf jeden Fall schon sehr viel stehen. Der erste Bauabschnitt wird sogar Ende 2014 stehen, der zweite Bauabschnitt 2015 final. Aktuell liegen wir in der Planung, obwohl wir mit dem harten Winter und den Erdarbeiten einige Probleme hatten. Aber aktuell sind wir guter Dinge. 

Der neue Campus wird nicht nur modern, sondern auch modern-umweltschonend. Inwiefern wird die neue Fachhochschule für die Umwelt schonender? 

»Wenn man den alten Standort mit dem Neuen vergleicht, sieht man, dass es im Moment am Campus Nord in Golzheim durch jedes Fenster pfeift. Das Gebäude ist ja auch aus den sechziger Jahren, aus der Nachkriegszeit, und ist energetisch absolut mangelhaft. Mit dem Neubau kriegen wir ein modernstes Gebäude mit dem neusten Stand der Technik. Wir haben modernste Fassadensysteme, modernste technische Gebäudeausrüstung und Beleuchtung – ein absolut modernes Gebäude, bei dem der Energieverbrauch deutlich gesenkt wird. 

​Welchen Fehler darf man als Projektsteuerer auf keinen Fall machen? 

»Ein großes Thema, was mich vor allem treibt, ist, den Gesamtüberblick zu verlieren. Davor habe ich täglich Respekt. Vor allem weil das ein Projekt mit über 200 Millionen Investitionsvolumen ist. Ich muss immer aufpassen, dass ich mich immer übergeordnet weiterhin als Projektsteuerer für die großen Themen bewege und mich nicht im kleinen Kram verliere. Man muss sich immer das Ziel vor die Augen stellen. Und zwar ist es 2015 den Campus im Budget und in guter Qualität dem Kunden zu übergeben. 

Was war für Sie persönlich das spannendste Thema des neuen Campus? 

»Das spannendste Thema war und ist, dass ich seit Wettbewerbsvorbereitungen mit dabei bin und dass, das Projekt in Düsseldorf vor der Haustür liegt. Das Spannendste ist auch für mich, als junger Bauingenieur, am Anfang meiner Karriere dieses große Bauprojekt begleiten zu dürfen.« 


​Die Präsidentin 

»Endlich kommt zusammen, was zusammengehört.« 

Prof. Dr. Brigitte Grass, Präsidentin der Fachhochschule Düsseldorf 


Brigitte Grass ​

​Frau Grass, was sagen Sie zu der bisherigen Entwicklung der Baustelle? Können Sie schon einen Teil des Campus Derendorf erkennen? 

»Bisher hat alles wunderbar geklappt: der Bau funktioniert sehr gut. Wir ziehen näher in das Herz der Landeshauptstadt Düsseldorf und werden uns bald dort platzieren und uns für weitere Gespräche öffnen. Endlich! Das freut mich sehr. Wie ich sehe, geht es zügig voran: Die Tiefgarage unter anderem ist unter dem ersten und zweiten Bauabschnitt fertig! Die Tiefgarage unter dem Gebäude, wo die Fachbereiche Design und Architektur reinkommen, ist auch fast fertig. Die Übergabe an den Hochbau für die Mensa, Sozial- und Kulturwissenschaften und das Hörsaalzentrum ist ebenfalls bereits beauftragt. Die Übergabe erfolgt jetzt. Das denkmalgeschützte Gebäude – dort wo die Fassade saniert wird – ist auch im vollen Gange. Die Generalunternehmer stehen in den Startlöchern. Es ist definitiv ein Beispielbau!«

Im Moment, auf der noch bestehenden Hochschule, sind ziemlich kleine Arbeitsräume zum Recherchieren, zum Gestalten und Arbeiten vorhanden. Was wird im Neubau anders sein?

»Im Neubau sind 2.150 qm für reine studentische Arbeitsräume in den einzelnen Fachbereichen geplant – viel mehr als bisher. Unsere Studierenden haben hervorragende Möglichkeiten für ein tolles Studium mit Lernecken, Laborausstattungen der modernsten Form und einem Campusfeeling. Campusfeeling, weil der Innenbereich mit dem Grünzug zum Treffen einlädt. Große Lern- und Aufenthaltsflächen für alle!« 

​Auch in der Mensa? 

​»Das Mensakonzept wurde ja so gewählt, dass der hintere Bereich mit Küche und Ausgabestellung abgetrennt werden kann, sodass die Sitzmöglichkeiten im Vorraum gesondert benutzt werden können. 
Außerdem gibt es ein Außenbereich in der Mensa. Und dann gibt es so genannte Open Spaces – das sind Lodges – die in allen Fachbereichen vorhanden sind. Diese Lodges kann man auch als Aufenthaltsort benutzen. Und deshalb bin ich mir sicher, dass die Studierende viel Platz zum Arbeiten haben werden.«


Die Fachhochschule Düsseldorf ist seit dem Jahr 2010 Mitglied des United Nations Global Compact. Das heißt: sie engagiert sich ökologisch, ökonomisch und sozial auf verschiedenenste Art und Weise. Welche Möglichkeiten wird der neue Campus bieten, um diese Punkte intensiver durchzuführen? 

»Wir haben uns bemühmt, in diesen Punkten die neue Hochschule zu verändern. Unsere Hochschule hat ein eigenes Profil. Dieses Profil ist vor allem mit dem Hochschulentwicklungsplan verbunden, das unsere Hochschule bereits folgt. Wir haben feste Ziele: wir wollen mehr über die Fachbereichsgrenzen zusammenarbeiten, wir wollen die Nachhaltigkeit verstärken, wir wollen Diversität, wir wollen internationaler werden. Was unter anderem die Ökologie betrifft, sind die neuen Gebäude auf Grund der Doppelverglasung, der Lamellen, der ökologischen Baumaterialien und den Solaranlagen auf dem Dach auf jeden Fall ökologischer als die alten Gebäude. Begrünung der Dächer und Fernwärmeeinsatz haben wir auch. Alles in allem: wir gründen hier eine rundum neue Hochschule!« 

​Sie wollen, dass die neue Hochschule internationaler wird. Was wird Ihrer Meinung nach die Studierenden, die aus dem Ausland kommen, an der Fachhochschule reizen?

»Die neue Hochschule liegt mit ihrem internationalen Image und dem Flughafen, der nicht weit von der Hochschule ist, im Herzen der Landeshauptstadt Düsseldorf. Der Wirtschaftsraum Düsseldorf liegt nach aktuellen Studien deutlich vorne. Das heißt: wir haben Unternehmen mit sehr viel Internationalität vor Ort. Und ich denke, internationale Studierenden werden sich besonders in den modernen Räumlichkeiten mit Innenraum und Grünzug sehr wohl fühlen. All diese Aspekte sind Vorraussetzungen, die internationalen Studierenden super Vorraussetzungen für ein tolles Studium anbieten!«


Der Sanitäter 

»Passie​​ren kann grundsätzlich alles.« ​​​

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​Konrad Meuter, Betriebssanitäter, CST Meuter, Düsseldorf 


Konr​​​​ad Meuter​​​​

​Herr Meuter, Sie sind hier, auf der zweitgrößten Baustelle in Düsseldorf, der Sanitäter. Was genau ist Ihre Aufgabe? 

»Ich kümmere mich um den Sanitätsdienst. Laut Vorschrift muss eine Baustelle, die mehr als 101 Mitarbeiter beschäftigt, einen Sanitäter vor Ort haben. Falls sich jemand verletzt oder falls jemandem etwas ganz Schlimmes passiert, leitet der Sanitäter die Erste-Hilfe-Maßnahmen ein.«

Was kann auf so einer Baustelle Schlimmes passieren? 

»Passieren kann grundsätzlich alles. Man muss davon ausgehen, dass von harmlosen Schnittverletzungen, bis zu Kopfplatzwunden alles passieren kann, sogar bis zu toten Mitarbeitern. Mitarbeiter können aus großer Höhe abstürzen oder zum Beispiel einen Herzinfarkt im Kran bei heißem Wetter kriegen. Deshalb bin ich stets vor Ort.« 

​Was muss man gelernt haben, um ein Sanitäter zu sein? 

»Ich bin ein​​ Rettungsassistent. Es ist eine dreijährige Ausbildung, die ich absolviert habe. Man braucht außerdem eine Zusatzqualifikation, um auf Baustellen arbeiten zu können.« 

Die Mitarbeiter müssen eine Schutzkleidung tragen. Denken Sie, dass diese Kleidung wirklich schlimme Folgen verhindern kann? 

»Die Sicherheitsausrüstung, die die Leute tragen müssen, schützt die Mitarbeiter bis zu einem gewissen Bereich. Wenn größere Lasten von Oben fallen, schützt leider der Bauhelm nicht mehr. Trotzdem ist es Pflicht, die Schutzkleidung zu tragen. Wenn die Mitarbeiter die Schutzkleidung nicht tragen, sind sie automatisch nicht mehr über die angeschlossene Berufsgenossenschaft versichert, da die Berufsgenossenschaft im Falle eines Unfalls ohne Schutz, sämtliche Zahlungen abweigern.« 

​Wie viele Bauarbeiter sind denn ungefähr hier auf der Baustelle des Neubaus? Und wie lange muss man hier jeden Tag arbeiten? 

»Im Moment sind wir ungefähr 130 Leute und gearbeitet wird von 7 Uhr morgens bis 20 Uhr abends. Natürlich vernachlässigt da man ab und zu die Familie, aber es geht leider nicht anders!«

Wie ist denn das für Ihre Freunde und Ihre Familie, zu wissen, dass Sie auf einer großen Baustelle arbeiten, die mit vielen Risiken verbunden ist?

»Die meisten Menschen möchten mit schlimmen Folgen, die auf der Baustelle passieren können, nicht konfrontiert werden, denn sie fürchten sich. Es ist so, dass sich jeder freut, wenn der Sanitäter kommt, aber keiner will ihn sehen. Warum? Weil man dann weiß, dass Gefahren oder Unfälle vor Ort passieren können oder schon passiert sind. Wenn die Menschen heutzutage auf Baustellen arbeiten, ist es nach wie vor immer noch einer der gefährlichsten Berufe, die man ausüben kann!«

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​Der Bibliothekar 

»Eine Bibliothek muss mehr sein als nur ei​​ne Ausleihe.« 

​Michael Uwe Möbius, Dipl. -Physiker., Leiter der Fachhochschulbibliothek 


Micha​el Uwe Möbius 

​Herr Möbius, die Bibliothek liegt Ihnen sehr am Herzen und genau diese wird bald ihren Sitz im alten Schlachthofgebäude hab​en. Was haben Sie für ein Gefühl, dass die Bibliothek ausgerechnet an diesem Ort sein wird?

»Ich habe ein sehr gutes Gefühl, dass die Hochschulbibliothek in der Großviehhalle unterkommt. Es ist gut, die Bibliothek in diesem Gebäude unterzubringen, denn die Industriearchitektur ist sehr passend für eine Bibliothek. Ich finde es klasse, wie die Architekten es geschafft haben, dieses Gebäude in den Gesamtcampus zu intergieren, die Nähe zur Mensa herzustellen und damit auch Synergieeffekte zu erziehen.«

Was muss Ihrer Meinung nach eine Bibliothek besitzen, damit sich Studierende als auch Lehrende wohlfühlen? 

»Eine Bibliothek muss heutzutage mehr sein, als nur eine Stelle, wo man Medien ausleiht und wieder zurückbringt. Sie muss eine Aufenthaltsqualität haben, man muss gerne dahin gehen können und deswegen muss sie unterschiedlichste Arbeits-und Lernmöglichkeiten haben.« 

​Wie wird es denn im neuen Campus aussehen? Entspricht alles Ihren Erwartungen? 

»Durch die Integration der drei Bibliotheken, die wir bisher hatten, wird es uns auf jeden Fall gelingen die gegebene Fläche kreativ zu nutzen. Dadurch können wir eine größere Vielfalt der Lernumgebung mit einem gewissen Wohlfühlcharakter anbieten.« 

Wie wird sich nun die neue Bibliothek von der jetzigen Bibliothek unterscheiden? Was wird sich verändern? 

»Wir haben eine Integration der drei vorhandenen Bibliotheken. Wir haben leider nicht mehr Fläche zur Verfügung, aber wir haben eine bedeutend größere Vielfalt von Arbeitsmöglichkeiten. Zum Beispiel bieten wir Gruppenarbeitsräume an. Des Weiteren kann man sich in Arbeitsplatzkabinen mit seinen Medien zurückziehen, wenn man zum Beispiel eine Bachelorarbeit schreiben möchte. Wir haben auch entsprechenden Platz für Blinde vorgesehen. Das Highlight wird eine Lernlandschaft im Erdgeschoss sein. Es wird ein „Hinguck - Effekt“ geben, eine Attraktivität, die ich in der Bibliothek auch erzeugen möchte.«

​Der Erinnerungsort, an dem man an die Menschen denkt, die von diesem Ort auf schreckliche Weise in Konzentrationslager deportiert wurden, wird auch hier seinen Platz finden. Wird das Ereignis auf die Hochschulbibliothek besondere Auswirkungen haben? 

»Ich finde es sehr gut, dass die Bibliothek genau in diesem Gebäude sein wird. Der Erinnerungsort wird ja ein Teil des Gebäudes sein. Und deshalb plane ich mit Kollegen, die auch für den Erinnerungsort arbeiten, eine Zusammenarbeit. Es muss klar sein, dass das ganze Gebäude von Nationalsozialisten missbraucht worden ist. Da habe ich eine Kooperation angeboten, um auch in der Bibliothek darauf hinzuweisen, was stattgefunden hat. Ich sehe eine hohe Verantwortung für die Bibliothek, aber auch eine Situation, in der der Erinnerungsort lebendig werden kann. Viele werden dahin gehen und mit dem Thema konfrontiert werden.« 

Wird der Bestand der Bibliothek denn größer? 

»Nein, der Bestand wird nicht größer, was die gedruckten Medien angeht. Wir stellten in den letzten Jahren massive Veränderungen fest, was die digitalen Medien angeht. Wir bieten nun E-Books in großer Zahl an. Als „Digital Natives“ sind wir, Menschen, gewohnt mit digitalen Medien umzugehen. Natürlich haben wir gedruckte Bücher, aber es wird uns leichter fallen den Bestand aktuell zu halten, weil der Zuwachs im gedruckten Bereich nicht mehr so steigend wird wie er war.«

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​Die​ Ministerin 

»Der ​​​Campus wird den Stadttei​​l ganz anders beleben.« 

​Svenja Schulze, Ministerin für Innovation, Wissenschaft und Forschung NRW 


​Sv​enja Schulze​

​Frau Schulze welchen Vorteil sehen Sie als NRW Wissenschaftsministerin darin, dass alle Fakultäten jetzt zusammengebracht werden in eine Institution? 

»Ich glaube der entscheidende Vorteil ist, dass es dann wirklich kurze Wege gibt, dass man sich einfach begegnen kann. Die Menschen sind dann alle auf einem Campus und können sich zwischen verschiedenen Disziplinen begegnen. Sie können anders zusammenarbeiten, als es mit den bisherigen Gebäuden der Fall ist. 

Und wird sich aus Ihrer Sicht auch etwas am Lernprogramm bzw. an der Lehre verändern? 

»Ich glaube es wird mehr Chancen für interdisziplinäres Forschen und Lehren geben. Man begegnet sich ja hier ganz anders. Man begegnet sich automatisch wenn man sich ein Kaffee holt oder wenn man was Essen geht. Daraus entstehen dann ganz neue Ideen. Das erhoffe ich mir eigentlich, dass wenn wir uns alle hier auf dem Campus haben, dass dadurch auch Inspiration für die Forschung und die Lehre entsteht.« 

​Können sich die Studierenden dann auf moderne Technik bzw. Räume freuen? Was wird sich aus dieser Sicht verändern? 

»Man sieht an den heutigen Gebäuden, dass sie s​anierungsbedürftig sind. Wenn die Hochschule dann hier in Derendorf einziehen kann, 2015 wie wir alle hoffen, dann ist das der modernste Stand der Technik. Wir haben hier dann ganz moderne Infrastruktur und das ist glaube ich auch gut, wenn man so ein attraktives Lernumfeld dann hat.«

Die Heinrich-Heine Universität und die Fachhochschule Düsseldorf werden ja dann getrennt und die Kommunikation zwischen den Institutionen wird quasi auseinandergebracht. Gibt es an diesem Punkt auch etwas Positives?

»Die Hochschulen werden ja nur räumlich getrennt. Ich glaube, dass inzwischen so viele Kontakte entstanden sind, dass die Zusammenarbeit auch weiter gut funktioniert. Die Hochschulen haben ein gemeinsames EU-Büro, es gibt viele Kontakte auf der wissenschaftlichen Ebene und ich wünsche mir, dass die beiden Hochschulen weiter kooperieren, denn es tut beiden gut – der Fachhochschule und auch der Universität.«

​Was ist denn das Tolle daran, dass die Fachhochschule Düsseldorf in Derendorf ihren Sitz haben wird? 

»Es kommen jetzt fast 10.000 Menschen in diesen Stadtteil, die hier lehren, die hier forschen und studieren werden – das wird sicherlich den Stadtteil ganz anders beleben. Solche Leute werden hier ja einkaufen zum Beispiel und in dem Stadtteil aktiv sein. Ich glaube das wird dem Stadtteil gut tun, denn die Hochschule wird offen. Das heißt hier werden Vorträge angeboten, hier wird ganz viel für die Düsseldorfer Bevölkerung getan und das kommt diesem Stadtteil sehr zugute.« 

Das ganze moderne Gebäude, was danach entstehen wird, was kostet das überhaupt? 

»Wir planen derzeit mit 224 Millionen Euro aus dem Hochschulmodernisierungsprogramm das zu finanzieren. Das ist eine Menge Geld, die hier in diesen Campus investiert wird, aber es ist gut investiertes Geld.«


Und wie sieht genau jetzt aus mit dem Budget? Passt das alles bisher? 

»Das kann man dann erst im Nachhinein sagen, wenn wirklich alles steht. Aber wir hoffen sehr, dass das hier auch im Rahmen bleibt.«



​Der Bauleiter 
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»Jedes Projekt braucht eine perfekte Planung.« 

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​Wolfgang Stock, Projektleiter, Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW, Niederlassung Düsseldorf 


Wolfg​ang Stock​

​Herr Stock, wofür sind Sie genau bei diesem Projekt verantwortlich? 

»Ich bin von der Bauherrenseite, vom Land NRW, der zuständige Projektleiter für das gesamte Projekt. Insgesamt bestehen wir aus einem Team von 7 Mitarbeitern des BLBs und arbeiten zusammen mit den Planern. Von der Bauherrenseite habe ich die Gesamtprojektverantwortung.« 

Einige Menschen mit denen sie arbeiten, wie z.B. Architekten oder Akustikplaner, kommen nicht aus Düsseldorf. Wie schafft man es sich immer wieder zusammenzutreffen, um den Bau voranzutreiben? 

»Es gibt einen regelmäßigen Besprechungsrhythmus zu verschiedenen Themen. Beispielsweise werden auf Baubesprechungen baufachliche Themen mit den Baufirmen besprochen. Unter der Beteiligung der Fachingenieure wie den Architekten, 
TGA Planern, Bauphysikern, Brandschutzgutachtern und so weiter gibt es vier bis fünf verschiedene Besprechungsarten mit verschiedenen Themen, die einen bestimmten Rhythmus haben. Diese werden vorbereitet, die offenen Themen werden über Tagesordnungspunkte fixiert, vorbereitet und dann besprochen.« 

​Die zukünftige Fa​chhochschule liegt sehr nah an der S-Bahn Station Derendorf. Haben Sie bei diesem Punkt etwas besonders berücksichtigt? 

»Bei der Baumaßnahme selbst ist nichts berücksichtigt worden. Der Standort ist bewusst so gewählt worden. Bei der Wahl des Standortes war uns klar, dass wir eine sehr gute Verkehrsanbindung haben. Es gab sogar schon Gespräche mit der Bahn, ob man die Zugänge zum S-Bahnhof Derendorf noch vereinfachen kann. Das steht zwar noch nicht fest, aber Fakt ist, dass der Bahnhof praktisch neben dem Gebäude liegt und es deshalb kurze Wege gibt.«

Das alte Schlachthofgebäude, was hier auf der Baustelle steht, ist ein historischer Ort. Denn von dort aus wurden Menschen in Konzentrationslager deportiert. Wie wird man dieses schreckliche Ereignis auf dem neuen Campus verarbeiten?

»Im denkmalgeschützte Gebäude, dem ehemaligen Schlachthofgebäude, wird ein Ort der Erinnerung intergiert. Es wird zurzeit ein Ausstellungskonzept erarbeitet. Zwei transparente, verglaste Räume auf der Südseite des Gebäudes werden als Ausstellungsfläche genutzt. Es ist eine Fläche, die von außen sichtbar ist, die aber auch separat erreichbar sind.« 

​Was bedeutet das genau, dass sie separat erreichbar ist? 

»Das heißt, dass die Besucher außerhalb der Öffnungszeiten die Ausstellung besichtigen werden können. Wir sind im Moment in der Planung und Abstimmung mit Planern und Interessenten. Das eigentliche Ausstellungskonzept ist noch nicht ausgearbeitet, aber die Idee existiert. An der eigentlichen Ausstellung, an der Beleuchtung u.s.w. wird noch gearbeitet.« 

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​Der Bürgermeister
 
»Ich wünsche mir, dass es ein offener Campus wird.« 

​Friedrich G. Conzen, CDU-Ratsvorsitzender und Bürgermeister, Düsseldorf 

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Friedrich G. Conzen ​​

​Herr Conzen, der Neubau der Fachhochschule Düsseldorf wächst von Tag zu Tag. Wie verfolgen Sie den Bau?

»Ich war bereits mehrmals auf der Baustelle und sehe immer wieder, wie schnell der Bau vorangeht. Und ansonsten, wenn man in Düsseldorf unterwegs ist und besonders mit der S-Bahn oder mit dem Auto an den immer wachsenden Gebäuden vorbeifährt, staunt man​​, wie schnell es zumindest in den Rohbau geht.«
 
Der Standort Derendorf führt alle Fachbereiche der Fachhochschule Düsseldorf bald zusammen. Welche Vorteile hat ein Campus Ihrer Meinung nach, auf dem direkt alle Fakultäten versammelt sind?

»Es gibt sicherlich viele Vorteile für die Institution Fachhochschule! Der Austausch ist sehr viel enger, man kommt besser ins Gespräch. Und es ist natürlich auch für die Stadt eine tolle Sache. Besonders für den Stadtteil Derendorf – er wird besonders aufgewertet. Ich gehe davon aus, dass die Fachhochschule Düsseldorf sehr stark nach Außen strahlen wird. Ob das Bauten sind, die zusätzlich gemacht werden oder ob das Einkaufsmöglichkeiten sind: das wird dem Stadtteil sehr gut tun.«
Stichwo​rt Stadtteil - ein Schwerpunkt Ihrer Arbeit in der CDU-Ratsfraktion ist unter anderem die Innenstadte​ntwicklung. In wie fern und in welche Richtung entwickelt sich in Derendorf die Innenstadt mit der neuen Fach​hochschule?

»Ich glaube, dass insgesamt die Studierenden aus Düsseldorf und aus anderen Städten, die hierhin ziehen werden, die Stadt bunter machen werden – gar keine Frage. Vor allem in Derendorf werden unter anderem der Handel und die Gastronomie sich auf die Studierenden einstellen. Es wird die eine oder andere Studentenkneipe geben oder auch Restaurants, die besonders von Studierenden aufgesucht werden. Das passiert ja überall und wird in Derendorf auch geschehen.«

Und welche Vorteile genau gibt es für die Menschen, die hier in Düsseldorf bzw. in Düsseldorf Derendorf leben oder arbeiten?

»Hier gibt es definitiv mehrere Vorteile! Wenn Makler zum Beispiel Lokale vermieten, ist das Angebot für den Vermieter größer. Für die Gastronomie wird mit dem Campus Derendorf sicherlich auch ein besseres Geschäft geben, wenn sie Studierende richtig ansprechen. ​Und ich glaube auch der Austausch zwischen der „ursprünglichen“ Bevölkerung und den Studierenden wird für beide Seiten sehr effektiv – man kommt in einen Dialog.« 

​Sie haben vor kurzem betont, dass Sie die finanzielle Unterstützung der FHD von Seiten der Stadt begrüßen. Da geht es vor allem um den Erinnerungsort. Wie wichtig ist der Erinnerungsort für Düsseldorf und die Menschen hier?

»Wir haben ja bereits einige Erinnerungsorte in Düsseldorf, die an eine schreckliche Zeit des Zweiten Weltkrieges erinnern. Und ich glaube, auch hier ist es ganz ganz wichtig, dass solche Themen herausgehoben werden und dass man vielleicht in fünf oder zehn, oder weiteren 20 Jahren daran denkt, was damals passiert ist. Und das einfach aus dem Grund, dass man den Menschen klarmacht, wie glücklich wir sein können, dass wir heute leben und nicht damals. Außerdem ist es wichtig Allen klarzumachen, dass so etwas nie wieder passieren darf.«
 
Was erhoffen Sie sich, besonders als Bürgermeister Düsseldorfs, vom neuen Campus? Welche Wünsche, Hoffnungen oder Aussichten haben Sie?

»Ich würde mir wünschen, dass es ein offener Campus wird. Dass teilweise dort Veranstaltungen für die Bürger der Stadt stattfinden. Das heißt nicht lediglich für Studierende, sondern auch für die Bürger! Dieser Austausch zwischen Studierenden und Bürgern würde der Stadt viele Vorteile bringen, wie ich bereits gesagt habe und das erhoffe ich mir auch sehr.« 


​Der Professor
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»Die Hochschule der Zukunft ist ein Abenteuerspielplatz.« 

​Prof. Wilfried Korfmacher, Diplom-Designer, Diplom-Psychologe, Projektleiter NEU BAU HAUS, Fachhochschule Düsseldorf


Wil​fried Korfmacher​

Herr Professor Korfmacher, Sie haben das NEU BAU HAUS gegründet. Worum handelt es sich dabei?

»Dieses Seminar ist ein experimentelles Projekt im Geiste von Bauhaus und Bauhütte. Es geht dabei um Gestaltung in Gemeinschaft – zusammen auch mit Handwerkerschaft und Nachbarschaft. Von Anfang an führe ich das Seminar zusammen mit unserem „Haus- und Hoffotografen“ Jörg Reich durch. Auch unser Editorial-Design-Dozent Andreas Liedtke hat sich schon bei mehreren Kur​sen im Team engagiert. Die Studierenden bekommen bei uns großen gestalterischen Freiraum, um den Bauprozess kreativ zu dokumentieren und 
zu kommunizieren. Die Hochschule der Zukunft ist sowieso ein Abenteuerspielplatz. Als erste Akteure auf dem neuen Campus in Derendorf üben wir hier schon das 
„Studium Integrale“ im Miteinander vieler verschiedener Disziplinen.«
​Welche Arbeiten Ihrer Studierenden liegen Ihnen besonders am Herzen?

»Noch vor dem Beginn der Bauarbeiten haben wir das Terrain in Derendorf sondiert. Wir haben die Lebensverhältnisse hier im Viertel untersucht und verschiedene Social Design-Studien mit den Menschen vor Ort durchgeführt. Tim Schmeer hat dabei sein Examensthema gefunden und mit Piotr Zapasnik ein eigenes Corporate Design entwickelt. Magdalena Braun macht gerade ihren Bachelor of Arts mit einer Fotoreportage über die Rohauarbeiter. Wir haben den ersten Spatenstich als Fest für alle gestaltet. Wir haben elektronische Musik aus dem Baustellensound destilliert und mit den Kursen von Anja Vormann und Gunnar Friel künstlerische Videos produziert. Eine wunderbare Ausstellung war auch die NEU BAU HAUS SCHAU mit einer Präsentation vieler multimedialer Arbeiten und der Taufe unseres Friedensbaums HEIWA. Und dann erwarten wir mit Spannung das Examen von Viktoria Merkulova mit einem innovativen Radio-Feature.«
​Bald werden ja auch die anderen Fachbereiche auf dem neuen Campus forschen und lehren. Worauf freuen Sie sich denn da am meisten?

»Das wird ein echter Neustart für die ganze Hochschule. Die neuen Räume! Die neue Infrastruktur! Der ganze Reiz des Neuen! Am wichtigsten aber wird die Belebung des guten alten Gemeinschaftsgefühls sein. Zum ersten Mal seit der Gründung kommt ja hier zusammen, was zusammengehört: Architektur, Design, Technik, Wirtschaft, Kultur-, Sozialwissenschaften und alle anderen Bereiche, die zu unserer Alma Mater gehören. Das wird aber nicht nur Forschung und Lehre befördern. Der offene Campus wird auch Düsseldorf verändern und unseren neuen Standort positiv prägen. Dafür haben wir im NEU BAU HAUS schon eine Parole herausgegeben: DEREN DORF IST UNSER DORF.« 

Fotografie: Marcel Schindler / Interv​iews: Viktoria Merkulova /  Creative Director: Prof. Wilfried Korfmacher, Dipl.-Des., Dipl.-Psych. / Fotografische Supervision: Jörg Reich, Dipl.-Des. Editorial Direction: Andreas Liedke, Dipl.-Des. / Editorial Design: Tim Schmeer und Piotr Zapasnik 


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