Welche Rolle sollen Hochschulen angesichts veränderter sicherheitspolitischer Herausforderungen in der Verteidigungsforschung spielen? Und welche Bedeutung kommt dabei der Zivilklausel zu, mit der sich Hochschulen zu einer friedlichen Ausrichtung ihrer Forschung verpflichten können?
Seit der sogenannten Zeitenwende wird über diese Fragen verstärkt diskutiert. Im März 2026 erklärte der Bayerische Verfassungsgerichtshof die gesetzliche Verpflichtung bayerischer Hochschulen zur Zusammenarbeit mit der Bundeswehr für verfassungswidrig. Das Verbot, Forschungsergebnisse per Zivilklausel einer militärischen Nutzung zu entziehen, ließ das Gericht hingegen bestehen. In Nordrhein-Westfalen trat am 4. August 2026 eine Novellierung des Hochschulgesetzes in Kraft. Das Gesetz nennt seitdem ausdrücklich das Ziel einer friedlichen, demokratischen, nach innen und außen sicheren und nachhaltigen Gesellschaft als mögliche Selbstverpflichtung der Hochschulen in ihren Grundordnungen.
Parallel dazu gewinnt die Förderung von Technologien an Bedeutung, die sowohl zivil als auch militärisch genutzt werden können. Mit dem Förderaufruf Defence.Tech.NRW unterstützen das Land Nordrhein-Westfalen und die EU entsprechende Innovationsprojekte. Eine unabhängige Jury hat 24 Vorhaben zur Förderung empfohlen.
Darüber diskutieren am Montag, 2. November 2026, von 18:15 bis 19:45 Uhr an der Hochschule Düsseldorf:
- Mona Neubaur, Ministerin für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen und stellvertretende Ministerpräsidentin
- Prof. Dr. Markus Ogorek, Direktor des Instituts für Öffentliches Recht und Verwaltungslehre und Stellvertretender Direktor der Adenauer School of Government an der Universität zu Köln. Er beleuchtet die rechtlichen Rahmenbedingungen und das Verhältnis zwischen hochschulischen Regelungen und individueller Wissenschaftsfreiheit.
- Prof. Dr. Nataliya Shakhovska, Rektorin der Nationalen Polytechnischen Universität Lviv. Sie leitet eine der ältesten und größten technischen Universitäten der Ukraine mit rund 35.000 Studierenden durch das fünfte Kriegsjahr. Ihre Universität wurde 2025 bei einem Angriff beschädigt. Die Forschung ist auf den Wiederaufbau des Landes ausgerichtet, von Drohnentechnik bis Energieresilienz. Als Informatikerin forscht sie zu erklärbarer KI und zur Analyse von Propaganda in sozialen Medien.
Die Moderation übernimmt Prof. Dr. Olexiy Khabyuk aus dem Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Hochschule Düsseldorf, Leiter des Forschungsschwerpunkts Communication Research.
Nach einführenden Beiträgen und einer moderierten Diskussion besteht für das Publikum Gelegenheit, Fragen zu stellen und unterschiedliche Positionen einzubringen.
Veranstalterin: Initiative „HSD im Diskurs“
Die aus dem Senat der HSD hervorgegangene Initiative setzt sich aus Studierenden, Lehrenden und Mitarbeitenden der Hochschule Düsseldorf zusammen. Sie organisiert die Veranstaltung eigenverantwortlich und möchte den offenen, respektvollen Austausch über kontroverse gesellschafts- und wissenschaftspolitische Fragen fördern.
Die Veranstaltung findet in den Räumlichkeiten der Hochschule Düsseldorf auf dem Campus Derendorf statt.
Die Diskussion ist offen für Studierende, Beschäftigte und die interessierte Öffentlichkeit.
Veranstaltungsinformationen
Datum: Montag, 2. November 2026
Uhrzeit: 18:15 bis 19:45 Uhr, Einlass ab 17:45 Uhr.
Ort: Hochschule Düsseldorf, Campus Derendorf, Gebäude 4, Audimax (Erdgeschoss), Münsterstraße 156, 40476 Düsseldorf.
Veranstaltungssprache: Deutsch; Beiträge von Prof. Shakhovska auf Englisch.