Heute, am 03. Dezember, ist der Internationale Tag der Menschen mit Behinderung.
Ins Leben gerufen wurde er im Jahr 1992 von den Vereinten Nationen mit dem Ziel
sich für die Würde, Rechte, Inklusion und selbstbestimmte Teilhabe von Menschen mit Behinderung einzusetzen.
Seit 1993 greifen ihn viele Behinderten- und Sozialverbände sowie Aktivist*Innen mit entsprechender Intention auf, um jährlich auf die politischen Interessen von Menschen mit Behinderungen aufmerksam zu machen.
Ziel des Aktionstages ist es, Inklusion auf allen gesellschaftlichen Ebenen zu fördern – in Bildung, Arbeitswelt, Politik, Kultur und Freizeit. Menschen mit Behinderungen sollen die gleichen Chancen und Möglichkeiten erhalten wie alle anderen.
Doch noch immer stoßen viele auf sichtbare und unsichtbare Barrieren: fehlende Barrierefreiheit, Vorurteile, Ausgrenzung oder strukturelle Hürden. Inklusion bedeutet, diese Barrieren abzubauen – im physischen wie im sozialen Sinne.
Im Dezember stellen wir jeden Montag eine neue Persönlichkeit hier auf der Webseite und auf unserem Instagram Account vor. Also seid gespannt und schaut rein.
Schaut auch gerne ab dem 10. Dezember auf unserer Webseite zum Tag der Menschenrechte vorbei (Link folgt).
BETTY HIRSCH
Frühe Jahre und Erblindung
Betty Hirsch wurde am 15. Januar 1873 in Hamburg als jüngstes von acht Kindern des jüdischen Kaufmanns Meyer Hirsch und seiner Frau Sara geboren.
Ein Sturz im Garten führte in ihrem zwölften Lebensjahr zu einer schweren Augenerkrankung. Trotz zahlreicher Behandlungen konnte ihr Sehvermögen nicht erhalten werden, und nach einer Operation erblindete sie mit etwa 17 Jahren vollständig.
Diese einschneidende Erfahrung prägte ihr Leben. Betty Hirsch wollte nicht als hilflos gelten und suchte früh nach Wegen, ihre Selbstständigkeit zu bewahren. Später schrieb sie:
„Als man aber anfing, mir mit jeder geringen alltäglichen Arbeit … helfen zu wollen, erwachte ein Wille von Selbständigkeit in mir, der mir half, mein weiteres Schicksal mit Würde zu tragen.“
Ausbildung und beruflicher Weg
Mit rund 21 Jahren trat Hirsch in die Preußische Blindenanstalt Berlin-Steglitz ein. Dort lernte sie Blindenschrift, erhielt Unterricht in Musik, Literatur und Englisch und erlernte handwerkliche Fertigkeiten wie Korb- und Stuhlflechten. Da sie sich in diesem Umfeld nicht vollständig zugehörig fühlte, strebte sie nach einer weiterführenden Ausbildung und begann ein Musikstudium am Berliner Konservatorium. Dieses finanzierte sie sich durch Privatunterricht bei blinden Kindern.
Nach dem Studium arbeitete sie als Konzertsängerin und unternahm mehrere Konzertreisen. 1907 erlitt sie infolge der hohen Belastung einen Nervenzusammenbruch und orientierte sich neu. Sie absolvierte ein Sprachstudium in London und unterrichtete anschließend wieder blinde Kinder aus wohlhabenderen Familien in Hamburg und Berlin.
Gründung der Schule für Kriegsblinde
Der Erste Weltkrieg brachte eine entscheidende Wende in Hirschs Leben. Während eines Aufenthalts in London hörte sie erstmals vom Begriff der „Kriegsblinden“. Zurück in Berlin nahm sie Kontakt zum Augenarzt Prof. Paul Silex auf. Gemeinsam gründeten sie am 22. November 1914 die erste Privatschule für Kriegsblinde in Berlin.
Ihr Ziel war es, die im Krieg erblindeten Männer nicht in die Abhängigkeit von Fürsorge zu entlassen, sondern ihnen eine berufliche Zukunft zu ermöglichen. Hirsch unterrichtete zunächst fünf kKriegsblinde Männer ehrenamtlich in blindenspezifischen Fertigkeiten. Bald vermittelte sie ihre Schüler an Arbeitsstellen, unter anderem in Fabriken wie AEG und Siemens, wo sie als Schreibkräfte, Telefonisten oder Handwerker beschäftigt waren.
Bis zum Ende des Krieges hatte die Schule über 250 Schüler ausgebildet. Hirsch legte besonderen Wert auf büro- und verwaltungstechnische Berufe, die den blinden Menschen langfristige Perspektiven eröffneten. Ihre Schule erlangte internationale Anerkennung; bei einem Besuch in den USA wurde sie vom Präsidenten als die „deutsche Helen Keller“ bezeichnet.
Exil und Rückkehr nach Deutschland
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 änderte sich Hirschs Leben erneut. Aufgrund ihrer jüdischen Herkunft war sie zunehmend bedroht und floh 1934 nach England, wo sie 13 Jahre im Exil verbrachte.
Während ihrer Abwesenheit übergab sie die Leitung ihrer Schule an ihren Stellvertreter Thiermann, der aus Opportunismus der SA beitrat, um den Fortbestand der Einrichtung zu sichern. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kehrte Betty Hirsch 1947 nach Deutschland zurück. Ihr Versuch, die Schule – inzwischen unter dem Namen „Silex-Handelsschule“ wiederzueröffnen, scheiterte jedoch an bürokratischen Hürden.
Späte Jahre und Tod
In ihren späteren Lebensjahren erhielt Betty Hirsch öffentliche Anerkennung für ihr Wirken. Anlässlich ihres 80. Geburtstags wurde sie für ihre Verdienste um die Blindenbildung geehrt. Sie begann, ihre Lebenserinnerungen zu schreiben und zog sich weitgehend aus dem öffentlichen Leben zurück.
Am 8. März 1957 starb Betty Hirsch in Berlin im Alter von 84 Jahren an Altersschwäche.
Vermächtnis
Betty Hirsch gilt als eine der Pionierinnen der modernen Blindenbildung in Deutschland. Mit ihrem Engagement für Ausbildung, Berufsförderung und gesellschaftliche Teilhabe blinder Menschen setzte sie Maßstäbe, die weit über ihre Zeit hinausreichten. Ihr Wirken trug entscheidend dazu bei, dass blinde Menschen als fähige, selbstbestimmte Mitglieder der Gesellschaft wahrgenommen wurden.
Quelle:
- Archiv Behindertenbewegung - berühmte behinderte Frauen
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FRIDA KAHLO
Kindheit und Familie
Frida Kahlo wurde am 6. Juli 1907 in Coyoacán, einem Stadtteil von Mexiko-Stadt, geboren. Sie war die Tochter des deutschen Fotografen Carl Wilhelm (Guillermo) Kahlo und der mexikanischen Malerin Mathilde Calderón. Sie wuchs gemeinsam mit drei Schwestern und zwei Halbschwestern in der Casa Azul, dem „Blauen Haus“, auf, das später zu ihrem Wohn- und Sterbeort wurde.
Das Familienleben war von Spannungen geprägt: Die Kinder lehnten den strengen katholischen Lebensstil ihrer Mutter ab. Seit ihrer Kindheit hatte Frida Kahlo gesundheitlichen Probleme.
Ab 1914 war sie durch eine Wirbelsäulenfehlbildung in ihrer Mobilität oft stark eingeschränkt. Diese Erfahrung prägte ihr Verhältnis zu Schmerz und Körper.
1922 begann Frida Kahlo ihre Ausbildung an der Escuela Nacional Preparatoria in Mexiko-Stadt, einer der renommiertesten Schulen des Landes. Sie gehörte zu den ersten weiblichen Schülerinnen dieser Institution und strebte ursprünglich ein Medizinstudium an.
Am 17. September 1925 wurde ihr Leben durch einen schweren Busunfall abrupt verändert. Sie erlitt zahlreiche Verletzungen. Unter anderem Frakturen an Beinen, Becken und Wirbelsäule – daher musste Sie monatelang im Bett liegen. Diese Zeit der Genesung markierte den Beginn ihrer künstlerischen Laufbahn: 1926 entstand ihr erstes Selbstporträt. Frida sagte später:
„Ich male mich, weil ich sehr viel Zeit allein verbringe und weil ich das Motiv bin, das ich am besten kenne.“
Künstlerische Entwicklung und Ehe mit Diego Rivera
1928 lernte Frida den Maler Diego Rivera kennen, der bereits ein anerkannter Künstler war. Beide verbanden neben der Kunst auch ihre politischen Überzeugungen und traten der Kommunistischen Partei Mexikos bei.
Am 21. August 1929 heirateten sie. In den Jahren 1930 bis 1933 lebten sie in den USA (unter anderem in Kalifornien, Detroit und New York). Dort entwickelte Kahlo einen Kleidungsstil, welcher sich an traditionell mexikanischen Elementen orientierte und welcher später zu ihrem Markenzeichen wurde. Während ihres Aufenthalts in Detroit hatte sie 1932 eine Fehlgeburt und im selben Jahr starb ihre Mutter.
Krisenjahre und internationale Anerkennung
Nach der Rückkehr nach Mexiko im Jahr 1934 verschlechterte sich Kahlos Gesundheitszustand erneut. Sie unterzog sich mehreren Operationen und erlebte persönliche Krisen, darunter die Affäre ihres Ehemanns Riveras mit ihrer Schwester Cristina. In diesem Jahr malte sie kein einziges Bild.
Ab 1935 begann sie wieder zu arbeiten. Sie hatte eine Beziehung zum Bildhauer Isamu Noguchi und pflegte später auch Kontakte zu Leo Trotzki, den sie gemeinsam mit Rivera im Blauen Haus beherbergte. 1938 folgte ihre erste Einzelausstellung in New York (Galerie Julien Levy) und darauf 1939 eine Ausstellung in Paris (Galerie Renou & Colle), organisiert von André Breton und Marcel Duchamp. In Paris begegnete sie Künstlern wie Pablo Picasso, Joan Miró und Max Ernst.
Der Louvre erwarb ihr Gemälde Der Rahmen – das erste Werk einer mexikanischen Künstlerin in der Sammlung des Museums. 1939 ließ sich Kahlo von Rivera scheiden und schuf das Gemälde Selbstbildnis mit abgeschnittenem Haar.
Im August 1940 heiratete Frida Kahlo Diego Rivera erneut in San Francisco. In dieser Zeit entstanden einige ihrer bedeutendsten Werke, darunter Die zwei Fridas und Die verwundete Tafel.
1942 begann sie ein Tagebuch, in dem sie Schmerz, Körper, Liebe und Spiritualität thematisierte. Von 1943 bis 1951 lehrte sie an der Kunstschule La Esmeralda in Mexiko-Stadt. 1946 erhielt sie den Nationalpreis für Malerei für ihr Werk Moses. Trotz chronischer Schmerzen und zahlreicher Operationen malte sie weiter.
Ihre späten Werke – darunter `Diego` und ich und `Die Liebesumarmung des Universums` (beide 1949) – zeigen eine intensive Auseinandersetzung mit Identität, Körper und Verbundenheit.
Krankheit, Tod und Vermächtnis
Ab Ende der 1940er-Jahre verschlechterte sich Frida Kahlos Gesundheitszustand drastisch. 1950 musste sie neun Monate im Krankenhaus verbringen und unterzog sich sieben Operationen an der Wirbelsäule. Sie malte häufig im Bett, gestützt durch spezielle Vorrichtungen.
Ihre erste Einzelausstellung in Mexiko fand 1953 in der Galerie Lola Álvarez Bravo statt. Aufgrund ihres Zustands nahm Kahlo liegend im Krankenbett teil – ein Moment, der zu einem Symbol ihres unbeugsamen Lebenswillens wurde.
1954 hatte sie eine schwere Lungenentzündung. Am 13. Juli 1954 starb Frida Kahlo in der Casa Azul, vermutlich an einer Lungenembolie. Gerüchte über einen Suizid blieben unbestätigt.
Ihr Leichnam wurde im Palacio de Bellas Artes aufgebahrt, anschließend eingeäschert. Die Urne mit ihrer Asche befindet sich bis heute im Blauen Haus, das heute als Frida-Kahlo-Museum der Öffentlichkeit zugänglich ist.
Quelle:
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CLARENCE PAGE
Kindheit und Familie
Clarence Page wurde am 2. Juni 1947 in Dayton, Ohio, geboren.
Sein Vater, Clarence Hannibal Page, arbeitete in einer Fabrik, während seine Mutter Maggie Page ein Catering-Unternehmen führte.
Schulzeit und erste journalistische Erfahrungen
Bereits während seines Abschlussjahres an der Highschool war Page Feature-Editor der zweiwöchentlichen Schülerzeitung.
1965 gewann er seinen ersten Journalismuspreis von der Southeast Ohio High School Newspaper Association.
Seine Lehrerin Mary Kendall förderte maßgeblich sein Interesse am Schreiben.
Page hat eine Aufmerksamkeitsdefiziteigenschaft (ADH-Eigenschaft), die in seiner Kindheit nicht diagnostiziert wurde. Er begann für seine Highschool-Zeitung zu berichten und merkte schnell, dass ihm das Schreiben lag. Vielleicht, sagt er, wegen der Aufmerksamkeitsdefiziteigenschaft - Nachrichten waren kurz, und Deadlines halfen ihm, fokussiert zu bleiben.
Noch im selben Jahr schloss er die Middletown High School ab und verdiente erstmals Geld als Journalist durch freiberufliche Fotos und Artikel für das Middletown Journal und den Cincinnati Enquirer.
Studium und Einstieg beim Chicago Tribune
Page studierte Journalismus an der Ohio University, wo er bei der Studentenzeitung mitarbeitete.
1969 erhielt er seinen Bachelor of Science und trat im selben Jahr als einer der wenigen afroamerikanischen Reporter in das Team des Chicago Tribune ein.
Militärdienst und Rückkehr zum Journalismus
Nur sechs Monate nach seinem Einstieg beim Tribune wurde Page zum Militär eingezogen.
Er arbeitete im Pressebüro der 212th Artillery Group in Fort Lewis, Washington.
1971 kehrte er zum Chicago Tribune zurück und berichtete über Polizei, Religion, Nachbarschaftsthemen sowie nachts freiberuflich als Rockmusik-Kritiker.
Auslandskorrespondent und Fernsehjournalismus
1976 wurde Page Auslandskorrespondent in Soweto und Rhodesien .
Nach insgesamt elf Jahren beim Tribune wechselte er 1980 zum Fernsehsender WBBM-TV (CBS).
Hier berichtete er unter anderem über die Bürgermeisterkampagne von Harold Washington.
Rückkehr zum Chicago Tribune und nationale Bekanntheit
1984 kehrte Page erneut zum Chicago Tribune zurück – diesmal als Kolumnist und Mitglied des Editorial Boards.
1987 wurde seine Kolumne landesweitveröffentlicht und machte ihn national bekannt.
Privatleben
Im Mai 1987 heiratete Page Lisa Johnson. Ihr Sohn Grady Jonathan wurde am 3. Juni 1989 geboren. 1991 zog die Familie nach Washington, D.C.
Auszeichnungen und Ehrungen
Clarence Page erhielt mehrere Ehrendoktortitel, darunter vom Columbia College in Chicago, dem Chicago Theological Seminary und der Ohio University.
Er ist regelmäßiger Essay-Beitragender für die News Hour with Jim Lehrer und gelegentlicher Kommentator für NPRs Weekend Edition Sunday.
Zu seinen wichtigsten Auszeichnungen gehören:
- Pulitzer-Preis (1972): für eine Taskforce-Serie über Wahlbetrug
- Edward Scott Beck Award (1976): für Berichterstattung über Politik in Südafrika
- Illinois UPI Award (1980): für seine investigative Serie „The Black Tax“
- Pulitzer-Preis für Kommentierung (1989)
- Aufnahme in die Chicago Journalism Hall of Fame (1992)
Quellen: +
In vielen Städten und Gemeinden gibt es inzwischen Projekte für mehr Barrierefreiheit – sei es im öffentlichen Nahverkehr, in Gebäuden oder im digitalen Raum.
Auch Unternehmen setzen zunehmend auf inklusive Arbeitsmodelle und Diversitätsstrategien.
Doch der Weg zu echter Inklusion ist noch weit. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erinnert regelmäßig daran, dass die Integration behinderter Menschen eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist. Nur wenn Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zusammenarbeiten, kann eine inklusive Gesellschaft entstehen.
Der Internationale Tag der Menschen mit Behinderungen erinnert daran, dass Inklusion kein Sonderthema, sondern ein Menschenrecht ist. Barrieren abzubauen und gleiche Chancen für alle zu schaffen, ist der Schlüssel zu einer gerechten und vielfältigen Gesellschaft.
Der 3. Dezember bietet eine wichtige Gelegenheit, dieses Ziel sichtbar zu machen – und den Weg in eine Zukunft zu ebnen, in der alle Menschen selbstbestimmt leben und teilhaben können.