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HSD / Erinnerungs- und Lernort
19.02.2016

Erinnerungsort eröffnet

​„Für die Vergangenheit haben wir keine Schuld, aber für den Umgang damit haben wir Verantwortung. Wo sind die Lehren aus der Vergangenheit für die Zukunft besser aufgehoben als an einer Hochschule?“, betonte NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze am 18. Februar 2016 in ihrer Rede vor rund 230 geladenen Gästen zur offiziellen Eröffnung des Erinnerungsortes auf dem neuen Campus. Mit dem neuen Campus Derendorf bezieht die Hochschule Düsseldorf einen historischen Ort. Nur noch die alte Pferdeschlachthalle und die Markthalle für Großvieh erinnern an die frühere Funktion des Geländes, an den städtischen Schlachthof. Die ehemalige Viehhalle wurde umfassend restauriert, sie beherbergt nun die Campus IT und die Hochschulbibliothek – beides denkmalgeschützte Orte des Wissens. Die Hochschule hat die Verantwortung für diesen historischen Ort übernommen. Die Verbrechen, die in den Jahren 1941 bis 1944 in diesen Räumlichkeiten verübt wurden, dokumentiert nun der Erinnerungsort Alter Schlachthof.  

„Es war nur eine einzige Nacht, aber es kam mir unendlich lange vor.“
Fast 6.000 jüdische Männer, Frauen und Kinder aus dem ganzen Regierungsbezirk Düsseldorf mussten sich hier zu insgesamt sieben Deportationen einfinden. Sie wurden registriert, durchsucht und ausgeraubt und mussten eine Nacht in der Großviehhalle verbringen. Am nächsten Morgen wurden sie vom nahe gelegenen Derendorfer Güterbahnhof in Ghettos im besetzten Osteuropa verschleppt. Die Ghettos waren oftmals nur Zwischenstationen auf dem Weg in weitere Konzentrations- und Vernichtungslager. Nur wenige überlebten die Shoah. Eine von ihnen ist Edith Bader-Devries. Bewegend schilderte die Zeitzeugin die Nacht der Deportation: „Es war nur eine einzige Nacht, aber es kam mir unendlich lange vor.“  

Erinnerungen an die Zeit „in der die Menschen plötzlich einfach einen gelben Stern bekamen und tragen mussten“ wurden auch bei Dr. Dr. h.c. Burkhard Hirsch lebendig. Der Hochschulratsvorsitzende hat sich zusammen mit dem AStA und der Hochschulleitung besonders für den Erhalt und die Öffnung des Erinnerungsortes eingesetzt. „Ich sehe diese Entwicklung noch genau vor mir, und sie zeigt, dass es sich bei dieser Erinnerung nicht um schwarzes Mittelalter handelt, sondern um die Gegenwart ist. Und die Gegenwart ist wiederholbar. Daher ist es so wichtig, diese zu zeigen“, hob er hervor.
Der Erinnerungsort Alter Schlachthof erinnert an die Menschen, die von hier deportiert und ermordet wurden. Das grausame Schicksal der Familie Cohen zeichnete Bürgermeister Friedrich Conzen in Anlehnung an die Ausstellung eindrücklich und ausführlich in seiner Rede nach. „Das Beispiel dieser jüdischen Familie aus Düsseldorf zeigt uns, dass der Holocaust kein abstraktes Verbrechen war, dass sich irgendwann irgendwo abgespielt hat. Daher ist es  wichtig, diese Orte lebendig zu halten“, mahnte Conzen. Ähnliche Worte für die Entwicklung des Erinnerungsortes auf dem Campus Derendorf fand auch Dr. Oded Horowitz: „Viele Orte des Grauens hier kennen wir kaum. Sie sind aus dem Stadtbild und aus den Erinnerungen verschwunden. Die Eröffnung dieses Ortes ist der genaue Gegenentwurf dazu“, lobte der  Vorsitzende der Jüdischen
Gemeinden Nordrhein. Der Erinnerungsort dokumentiert, wie es dazu kam und
thematisiert auch die Nachwirkungen der NS-Herrschaft in der bundesrepublikanischen Gesellschaft. Er eröffnet zeitgemäße Möglichkeiten, selbst nachzuforschen, beispielsweise im Digitalen Archiv. Hierzu ist ein umfangreiches Bildungsangebot in Vorbereitung.
„Aber der Blick richtet sich nicht nur in die Vergangenheit. Mehr denn je werden wir heute mit Antisemitismus, Rassismus und anderen Formen der Ausgrenzung konfrontiert. Im Rahmen eines nachhaltigen Informations- und Bildungskonzeptes werden wir auch diese aktuellen Probleme in Workshops mit Jugendlichen und Studierenden, bei Tagungen oder Vortragsreihen thematisieren. Wir blicken auch in die Zukunft und öffnen unsere Hochschule für junge Menschen und die breite Öffentlichkeit“, sagte die Präsidentin der HSD, Prof. Dr. Brigitte Grass.

Das inhaltliche Konzept und die Gesamtkoordination hat der Präsidiumsbeauftragte für den Erinnerungsort Dr. Joachim Schröder gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Forschungsschwerpunktes Rechtsextremismus und Neonazismus (FORENA) unter Leitung von Prof. Dr. Fabian Virchow entwickelt und gestalterisch mit dem Exhibition Design Institute (edi) am Fachbereich Design umgesetzt.
Abgerundet und eingebettet wurde die feierliche Eröffnung durch eine virtuelle Installation zum Alten Schlachthof von Prof. Dr. Jens Herder mit Studierenden und musikalischen Einlagen durch die Robert Schumann Hochschule. 

Die Ausstellung ist ab 29. Februar der breiten Öffentlichkeit zugänglich zu den Öffnungszeiten der Hochschulbibliothek:
Mo-Fr: 8.00 – 20.00 Uhr
Sa: 11.00-17-00 Uhr 

Weitere Informationen zum Erinnerungsort und zur Ausstellung:  
http://www.erinnerungsort-duesseldorf.de/

Eröffnung Erinnerungsort 1
Prof. Dr. Brigitte Grass bei der Eröffnung des Erinnerungsortes.
Eröffnung Erinnerungsort 2
Viele Besucher/innen nutzten die Gelegenheit zur Besichtigung des Erinnerungsortes. Fotos (3): Rebecca Juwick